Web-basiertes Lernen
Mit web-basiertem Lernen werden die mit Internet-Technologien gestützten Lernprozesse bezeichnet. Konzentrierte sich das web-basierte Lernen ursprünglich primär auf die Distribution von Lehrinhalten, orientieren sich neuere Ansätze an den Möglichkeiten des Web 2.0.
Begriffsabgrenzung
Web-basiertes Lernen (engl. Web Based Learning oder auch Web Based Training - WBT) stellt eine spezielle Form des E-Learnings dar. Dabei wird WBT durch die Verwendung von netzbasierten Diensten als Weiterentwicklung des Computer Based Training (CBT) verstanden. Sowohl das WBT und das CBT lassen sich unter dem Konzept des Computer Assisted Learning (CAL) aus der Perspektive des Lernenden subsumieren. Dagegen werden unter dem Konzept des Computer Assisted Teaching (CAT) die Lehrprozesse aus der Perspektive des Lehrenden betrachtet und die Fokussierung auf web-basierte Medien als Web Based Lecture (WBL) bezeichnet [Grob 2000, S. 9 ff.].
Möglichkeiten des web-basierten Lernens
WBT ermöglicht dem Lernenden eine räumliche, zeitliche und inhaltliche Flexibilisierung seines Lernprozesses. Durch die digitale Aufbereitung der Lehrinhalte kann der Lernende die Inhalte also an beliebigen Orten und Zeiten unabhängig vom Lehrenden und mit individuellem Lerntempo verarbeiten. Neben diesem selbstgesteuerten Lernprozess ermöglicht das WBT eine stärkere Interaktivität zwischen Lernenden und Lehrenden sowie der Lernenden untereinander als in klassischen Massenveranstaltungen oder im herkömmlichen Fernunterricht [Jaeschke et al. 2003, S. 363-698].
Neben der schnelleren Distribution von Lernobjekten ermöglicht die Nutzung von netzbasierten Diensten eine effiziente Unterstützung von Kollaborationsprozessen. Hierfür verwendete traditionelle und neuere Technologien sind in Abbildung 1 zusammengefasst worden.
Abb. 1: Einordnung von web-basierten Diensten im 3K-Modell [vgl. Gruttmann et al. 2008]
Web-2.0-Ansätze eignen sich dazu, den selbstgesteuerten Lernprozess durch die Möglichkeit der Community-Bildung und die Erstellung von User-Generated-Content zu unterstützen (z.B. durch Wikis, Webblogs oder Tagging). Lernende erhalten die Möglichkeit, die angebotenen Lehrinhalte online mit Fragen, Kommentaren und Tags zu versehen, um diese von anderen Lernenden beantworten, bewerten und gegebenenfalls korrigieren zu lassen [Dahl et al. 2008].
Softwaresysteme für web-basiertes Lernen
Web-basiertes Lernen kann grundsätzlich mit sämtlichen Technologien des WWW erfolgen. Darüberhinaus kommen Plattformen zum Einsatz, die in Autorensysteme, Learning Content Systeme (LCS) sowie Learning Management Systeme (LMS) unterschieden werden [Schulmeister 2003, S. 179 ff.].
Autorensysteme eignen sich zur Erstellung und Nutzung von Lern-/Lehrinhalten, in denen das Wissen zu abgegrenzten Domänen in systematischer Form multimedial repräsentiert wird. Zu diesen Werkzeugen zählen Editoren zur Bearbeitung von Inhalten, wie z. B. HTML-Seiten, Grafiken, Animationen, Simulationen, Audio- und Videosequenzen, Werkzeuge für die Komposition der Inhalte zu Lernmaterialien sowie Werkzeuge für die Kursnavigation und zur Lernfortschrittskontrolle.
Die Erfassung, Speicherung und Präsentation der Lern-/Lehrinhalte wird von Learning Content System (LCS) wahrgenommen. Die Learning Management Systeme (LMS) dienen der Unterstützung von Distributions- und Lehrprozessen sowie von Kooperations-, Koordinations- und Kommunikationsaufgaben. Häufig werden die hier genannten Funktionen von einem einzigen Softwaresystem wahrgenommen.
Szenarien des web-basierten Lernens
Innerhalb des WBT lassen sich verschiedene Szenarien hinsichtlich der Ausprägung der Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden identifizieren [Tjetmers et al. 2008, S. 123 f.]. Ausgangspunkt bildet die klassische Präsenzveranstaltung, in der auch multimediale Medien (z.B. auf Basis von Powerpoint) genutzt werden können. Bei dieser Veranstaltungsform wird das Internet lediglich zur Distribution von Lehrmaterialien sowie zu organisatorischen Zwecken (z. B. zur Ankündigung von Terminen) genutzt. Hingegen findet innerhalb von Blended Learning-Veranstaltung eine Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden sowie den Lernenden untereinander über das Medium Internet statt. In zunehmendem Maße werden an Hochschulen auch elektronische Prüfungen durchgeführt. Findet eine Lehrveranstaltung ausschließlich über eine räumliche Distanz statt und wird dabei das Internet als Kommunikationsmedium genutzt, so wird dies als Distance Learning oder Teleteaching bezeichnet. Zur systematischen Gestaltung derartiger Szenarien ist ein E-Learning-Management zu etablieren [Grob, vom Brocke, Buddendieck 2008, S. 5-13].
Literatur
Dahl, Daniel; Lechtenbörger, Jens; Sieberg, Jens; Vossen, Gottfried: LEARNR – WEB 2.0-DRIVEN LEARNING. In: Proceedings of the 7th International Conference on Web-based Education. Innsbruck 2008
Grob, Heinz Lothar (Hrsg.): cHL - computergestützte Hochschullehre: Dokumentation zum cHL-tag 2000. Münster: LIT Verlag, 2001.
Grob, Heinz Lothar; vom Brocke, Jan; Buddendieck, Christian: E-Learning-Management – Integration vom Aufgabe, Mensch und Technik. In: Grob, Heinz Lothar; vom Brocke, Jan; Buddendieck, Christian (Hrsg.): E-Learning-Management. München: Vahlen, 2008. S. 1-17.
Gruttmann, Susanne; Düppe, Ingo; Buddendick, Christian; Grob, Heinz Lothar; Kuchen, Herbert: E-Learning in kollaborativen Softwareentwicklungsprojekten: Potenziale und Fallstricke auf Basis eines Action Research Projekts. In: Tagung/Workshop: Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens (GML² 2008). Berlin, 2008.
Jaeschke, Peter; Oberweis, Andreas; Vossen, Gottfried: Web-basiertes Lernen: Eine Übersicht über Stand und Entwicklungen. In: Erhard Rahm, Gottfried Vossen (Hrsg.): Web & Datenbanken: Konzepte, Architekturen, Anwendungen. Heidelberg: dpunkt Verlag, 2003. S. 363-398.
Schulmeister, Rolf: Lernplattformen für das virtuelle Lernen - Evaluation und Didaktik. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2003.
Tjetmers, Stephan; Marek, Markus; Homberg, Gerd; Sander, Wolfgang: Didaktische Gestaltung von Blended Learnin in der Hochschule. In: Grob, Heinz Lothar; vom Brocke, Jan; Buddendieck, Christian (Hrsg.): E-Learning-Management. München: Vahlen, 2008. S. 111-131.

