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Elektronische Prüfung

Karl Kurbel (unter Mitarbeit von Rastsislau Datsenka)

Unter elektronischen Prüfungen (auch: E-Prüfung, engl. E-Testing) werden Prüfungsverfahren verstanden, die von computergestützten Instrumenten zur Leistungsbeurteilung Gebrauch machen und papierlos durchgeführt werden können.

Einführung

Die wachsende Bedeutung von E-Learning und die Integration digitaler Medien in den Lernprozess erfordern auch eine Aktualisierung und Neuausrichtung des Instrumentariums zur Leistungsbewertung. Der Begriff elektronische Prüfung umfasst das Spektrum der auf "... Informations- und Kommunikationstechnologien basierenden Verfahren der lehrzielbezogenen Bestimmung, Beurteilung, Bewertung, Dokumentation und Rückmeldung der jeweiligen Lernvoraussetzungen, des aktuellen Lernstandes oder der erreichten Lernergebnisse/-leistungen vor, während („Assessment für das Lernen“) oder nach Abschluss („Assessment des Lernens“) einer spezifischen Lehr-/Lernperiode" [Bloh 2006, S. 6]. Abbildung 1 deutet an, dass elektronische Prüfungen sich nahtlos als Teil mediengestützter Ausbildung einordnen.

E-Learning-Kette

Abb. 1: Elektronische Prüfungen als Teil der E-Learning-Kette [Wischnewsky 2005, S. 26]

Klassifikationen

Nach der Prüfungsform lassen sich elektronische Prüfungen wie folgt unterscheiden:

  • Präsenzprüfungen finden normalerweise unter Aufsicht des Lehr- oder Prüfungspersonals statt, z.B. in PC-Räumen an Hochschulen oder in spezialisierten Testzentren professioneller Prüfungsanbieter. Diese Prüfungsform trifft man oft in Zusammenhang mit der Präsenzlehre an.
  • Distanzprüfungen verlangen keine persönliche Anwesenheit des Prüflings. Sie werden mit Hilfe digitaler Medien beispielsweise im Rahmen der virtuellen Ausbildung praktiziert, wenn Präsenzprüfungen nicht möglich sind. 

Weiterhin lassen sich elektronische Prüfungen nach dem zeitlichen Rahmen in synchrone und asynchrone Prüfungen unterscheiden. Bei den ersteren werden die Prüflinge gleichzeitig geprüft, während bei den letzteren die Bereitstellung der Prüfung und die Bearbeitung der Prüfungsaufgaben zeitlich entkoppelt sind [Khan, Lahm 2008, S. 390]. Prüflinge können in diesem Fall auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Prüfung ablegen.

Eine spezielle Klasse stellen adaptive Prüfungen (engl. Computer Adaptive Testing) dar. Hierbei können die Prüfungsinhalte in Abhängigkeit von individuellen Merkmalen (z.B. Vorkenntnisse, Fehlerrate) eines Prüflings automatisch angepasst werden [Al-A'ali 2007, S. 82].

Prüfwerkzeuge und -plattformen

Elektronische Prüfungssysteme reichen von Eigenentwicklungen über Assessment-Module von Lernplattformen (Learning Management System, LMS) bis hin zu Speziallösungen kommerzieller Anbieter:

  • Hochschulspezifische Prüfungssysteme werden individuell entwickelt und decken somit primär den Prüfungsbedarf einer Hochschule ab (z. B. elatePortal). 
  • Im E-Learning-Kontext übernimmt oft eine Lernplattform (z.B. Blackboard/WebCT, Moodle, ILIAS) die Verbindung von Prüflingen und Prüfern und die Organisation des Prüfungsprozesses. In LMS integrierte Prüfungswerkzeuge erlauben die Bereitstellung einer Online-Klausur, die Bewertung der Prüfungsleistungen und die Archivierung der Prüfung.
  • Spezialisierte kommerzielle Prüfungssysteme (z. B. Questionmark Perception) bieten eine Auswahl an Werkzeugen zur Erstellung, Verteilung und Auswertung von Prüfungen. Sie sind als Komponenten einer E-Learning-Kette jedoch weniger geeignet, da die Integration mit Lerninhalten sowie Kollaborationsmöglichkeiten nicht oder nur sehr beschränkt gegeben sind.

Eine Erweiterung des digitalen Prüfungsinstrumentariums bieten sogenannte Videoprüfungen. Dabei handelt es sich um computergestützte, synchrone, mündliche Prüfungen, die mit Hilfe von Videokonferenzsoftware (z.B. Skype, Microsoft Office Live Meeting) online durchgeführt werden. Diese Technologie weist zwar hohe Potenziale auf, wird aber praktisch noch wenig genutzt. Videoprüfungen führen z.B. die FernUniversität Hagen und die VGU durch.

Traditionelle vs. elektronische Prüfungen

Elektronische Prüfungen bieten viele Vorteile im Vergleich zu traditionellen schriftlichen Prüfungen. Sie sind weitgehend orts- und zeitunabhängig, machen die Standardisierung der Prüfungsinhalte einfacher und erlauben eine schnelle Auswertung der Prüfungsleistungen. Aufgrund der stärkeren Formalisierung bieten sie tendenziell einen höheren Grad an Objektivität und Transparenz.

Elektronische Prüfungen erweitern das Spektrum der Prüfungstechniken gegenüber traditionellen Klausuren. Neben konventionellen Aufgabentypen wie Text-, Multiple-Choice-, Auswahl- und Zuordnungsfragen sind auch multimodale Prüfungsinhalte (d.h. Verknüpfung von Text, Bild und/oder Ton sowie computergestützte Simulationen) realisierbar.

Als potenzielle Nachteile elektronischer Prüfungen gelten Sicherheitsbedenken, noch ungeklärte Rechtsfragen, höhere Infrastrukturkosten und ein technisch bedingtes erhöhtes Betrugsrisiko [Wannemacher 2006, S. 163 f.]. Dennoch zeigen die zahlreichen Praxisbeispiele, dass elektronische Prüfungen in realen und virtuellen Universitäten alltäglich durchgeführt werden. 

Literatur

Al-A'ali, Mansoor: Implementation of an Improved Adaptive Testing Theory. In: Journal of Educational Technology & Society 10 (2007), Nr. 4, S. 80-94.

Bloh, Egon: E-/Online-Assessment – Einführung & Überblick. LMS-Designerkonferenz des Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz, Kaiserslautern 2008 (Online-Version: http://www.vcrp.de/index.php?id=424, Abruf 20.08.2011).

Khare, Anshuman; Lam, Helen: Assessing Student Achievement and Progress with Online Examinations: Some Pedagogical and Technical Issues. In: International Journal on E-Learning 7 (2008), Nr. 3, S. 383-402.

Wannemacher, Klaus: Computerbasierte Prüfungen. Zwischen Self-Assessment und Abschlussklausuren. In: Schiedt, Eva (Hrsg.): E-Learning - alltagstaugliche Innovation? Münster: Waxmann 2006, S. 163-172.

Wischnewsky, Manfred: Computergestützte Prüfungen - Praxisbeispiele und Konzepte. Eine Fachtagung an der Universität Bremen 11.05.2005. (Online-Version: http://mlecture.uni-bremen.de/extern/zmml/eklausur-bremen-11-2005/content/wischnewsky/index.html, Abruf 12.08.2011).

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Zuletzt bearbeitet: 23.08.2011 17:35
Letzter Abruf: 25.05.2012 09:41
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