| Geisteswissenschaften |
|
Historische Zeitschrift · Heft 268/2 · 1999
Erscheint jeden zweiten Monat (Februar, April, Juni, August, Oktober und Dezember).
|
Rubrik: Aufsätze
Der vorliegende Artikel beleuchtet Kriegsverlauf und Judenvernichtung in der zweiten Jahreshälfte 1941 unter dem Aspekt ihrer Verortung in Hitlers Strategie. Ausgehend von einer komprimierten Darstellung dieser Strategie bis in die ersten Wochen des Kriegs gegen die Sowjetunion wird zunächst der Einfluß von der Ideologie auf die Strategie bei Hitler erhellt und gleichzeitig der von ihm bewußt als Radikalalternative konzipierte Gegensatz von Weltherrschaft oder Judenvernichtung herausgearbeitet. Die anschließend in chronologischer Engführung vorgenommene Untersuchung der Interaktion von Kriegführung und "Judenpolitik" zeigt dann für Mitte August 1941 einen Prioritätenwechsel in Hitlers Strategie auf, der sich realpolitisch als Strategiewechsel hin zum "Ausrottungsprinzip als Leitmotiv" auswirkt. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung der Atlantikcharta analysiert. In einem dritten Teil werden die Auswirkungen des Paradigmenwechsels wiederum unter dem Gesichtspunkt der Interaktion auf den Einzelfeldern Kriegsverlauf und Judenvernichtung dargestellt; dies geschieht zumeist auf der Grundlage unveröffentlichter Quellen. In einem abschließendem Ausblick werden die neuen Beobachtungen in Chronologie und Historiographie eingeordnet und im Bezug auf Hitlers Strategie zusammengefaßt.
Das 4. Jahrhundert v. Chr. erlebte eine militärische Revolution. Die Perfektionierung der Kriegstechnik und die Professionalisierung der Soldaten ermöglichten großräumige und saisonunabhängige Feldzüge zu Lande. Dieser Landkrieg war sehr kostspielig und wurde zu einer Sache von Spezialisten, die im Krieg ihre Erfüllung fanden. Die Poleis konnten sich diesen Veränderungen nur unzureichend anpassen, weil sie aus herrschaftssoziologischen Gründen an ihrer alten Militärstruktur festhielten. Die nördlichen Randgebiete eröffneten demgegenüber ihren Feldherrn größere Handlungsspielräume und nutzten so die militärische Revolution zum eigenen Machtaufstieg. Am erfolgreichsten erwies sich Makedonien unter Philipp II., der als Monarch, militärischer Reformer, Söldnerführer und Kaperkapitän den militärischen und politischen Anforderungen der Zeit am besten entsprach.