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Historische Zeitschrift · Heft 272/2 · 2001
Erscheint jeden zweiten Monat (Februar, April, Juni, August, Oktober
und Dezember). |
Inhaltsverzeichnis von Heft 272/2
Rubrik: Aufsätze
Der Beitrag wendet sich erneut den Ereignissen um die Kaiserkrönung Karls des Großen zu. Dabei entsteht durch eine Sichtung des gesamten Quellenmaterials eine deutlich modifizierte Sichtweise der Ereignisse. Achtet man auf die Unkontrollierbarkeit mündlicher Tradition, und verschränkt man römische und karolingische Zeugnisse, so ergeben sich – entgegen der herrschenden Meinung – eine mißlungene Blendung, aber eine geglückte Absetzung des Papstes Leo. Die neu bewertete Kölner Notiz weist auf ein vom Papst unabhängiges, längerfristig mit byzantinischer Hilfe vorbereitetes Kaisertum Karls des Großen hin.
Ausgelöst durch den Essay "The Myth of Absolutism" von Nicholas Henshall hat in der deutschen Forschung eine weitgehende Abkehr vom Begriff des Absolutismus und eine Neubewertung der frühneuzeitlichen Monarchie eingesetzt. Die "Verneuerte Landesordnung", die Kaiser Ferdinand II. nach der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes 1627 erließ, ist in der laufenden Diskussion bisher allerdings unberücksichtigt geblieben. An ihrem Beispiel wird im vorliegenden Beitrag die Validität der neuerlichen Absolutismuskritik überprüft. Denn die grundgesetzliche Fixierung der Königsherrschaft in der "Verneuerten Landesordnung" erlaubt es, markante Entwicklungstendenzen des frühmodernen Fürstenstaates in gebündelter Form zu erfassen. Die Abkehr von der überkommenen "monarchia mixta" und die Durchsetzung der "potestas absoluta" des Fürsten erscheint hier als bewußt angestrebtes Ziel der Verfassungsgebung; deren Ergebnisse prägten die Regierungspraxis im Böhmen des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. In Böhmen wird deshalb ein erheblicher qualitativer Sprung in der Herrschaftsauffassung wie auch in der Herrschaftsführung sichtbar. Dieser staatliche Wandel verlangt zu seiner Beschreibung nach einer Begrifflichkeit, die der Ebene der Staatlichkeit selbst entlehnt ist. Darum ist weiterhin am Terminus der absoluten Monarchie festzuhalten, der durchaus der Quellensprache der Zeit nahesteht.
Die preußische Selbstbeschreibung, die in der Tradierungsliteratur zum 20. Juli eine außerordentlich wichtige Rolle gespielt hat, war Ergebnis eines langjährigen Konstruktionsprozesses, der während des Kaiserreichs zum Abschluß kam. Dies zeigt der Aufsatz an den Beispielen Marwitz und Tellheim. Die Personen und Ereignisse des Siebenjährigen Krieges, die eine Grundlage des preußischen Mythos bildeten, hatten den Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts nicht als preußisch gegolten. Preußisch war der herrschaftliche Zugriff, nicht die Reaktion der Betroffenen. Die Erinnerungen wurden in kleinen Segmenten der preußischen Gesellschaft bewahrt. Nach der Erfahrung von 1848 erst entfalteten sie eine breitere Wirksamkeit. Sie wurden zu kohärenten Sets zusammengefügt durch die verschiedenen Lager einer politisch und sozial sich homogenisierenden Gesellschaft. Ihnen diente der preußische Mythos als Hilfe zur Selbstbeschreibung, in identifikatorischer oder abgrenzender Absicht.
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