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Historische Zeitschrift · Heft 272/1 · 2001
Erscheint jeden zweiten Monat (Februar, April, Juni, August, Oktober
und Dezember). |
Inhaltsverzeichnis von Heft 272/1
Rubrik: Aufsätze
Die Struktur des Peloponnesischen Bundes beweist, daß die Helotenfurcht der Spartiaten keine Fiktion, sondern Realität war. Die uns erhaltenen Verträge des Bundes, ihre Klauseln und ihre Anwendung stimmen mit den Analysen und Äußerungen griechischer Geschichtsschreiber wie Thukydides und Xenophon und Philosophen wie Platon und Aristoteles überein, die der Helotenfrage eine herausragende Bedeutung für die spartanische Ordnung beimaßen. Moderne Versuche, die Helotengefahr in das Reich des Mythos zu verweisen, entbehren daher jede Grundlage. Eine so durchgeführte "Mythisierung" geschichtlicher Tatsachen ist kein Beitrag zur Quellenkritik.
Autobiographien gehören neben Briefwechseln und Tagebüchern zu jenen Formen schriftlicher Selbstthematisierung, die sich als Quellen der Geschichtswissenschaft wachsender Beliebtheit erfreuen. Gerade jene HistorikerInnen, die sich in einer anthropologisch inspirierten Alltags- und Erfahrungsgeschichte auf die Suche nach den leibhaftigen historischen Akteuren machen, setzen "Ego-Dokumente" bzw. "Selbstzeugnisse" in Wert. Diese neue Vorliebe bleibt allerdings – aller modischen Rhetorik zum Trotz – meistens den Bahnen der alten Geistes- und Kulturgeschichte verhaftet. Der Essay leistet einen Überblick zu diesen Forschungstraditionen und den stillschweigenden methodischen Grundannahmen der deutschen historischen Autobiographieforschung. Er versteht sich dabei insbesondere als kritische Auseinandersetzung mit den entsprechenden Gebrauchsweisen der "avancierten" Kultur- und Sozialgeschichtsschreibung, namentlich der historischen Bürgertumsforschung. Der dort herrschenden Inanspruchnahme von Autobiographien als Fakten- und Praktikensteinbruch bzw. weit geöffnetes Tor zur gelebten Erfahrung der historischen Akteure wird eine wissenschaftliche Perspektive gegenübergestellt, die Autobiographien als "Genre" stark macht und als narrative Texte untersucht. Mit und gegen ein literaturwissenschaftliches Interesse an Texten plädiert hier der Beitrag für ein "intelligentes Benutzen" von Autobiographien als Quelle der Geschichtswissenschaft. In einem Fallbeispiel wird gezeigt, wie die auf programmatischer Ebene formulierten methodischen Einsichten konkretes historisches Arbeiten mit Autobiographien anleiten.
Bis zur Aufhebung des römischen "Index der verbotenen Bücher" im Jahr 1966 besaßen die päpstlichen Bücherverbote für Katholiken Gültigkeit. Die im Laufe von 400 Jahren durch die römische Kirche verbotenen Autoren und Werke durften weder gelesen, erworben, verkauft oder aufbewahrt werden. 1900 erschien der oft kritisierte Index in einer "entschlackten" Ausgabe. Die Hintergründer der "leoninischen Reform" waren bislang nicht bekannt. Aufgrund des 1998 für die Forschung geöffneten Archivs der Glaubenskongregation kann nun Licht ins Dunkel gebracht werden. Es zeigt sich, daß die Indexreform durch eine Zensur ins Rollen kam, die der deutsche Gutachter Michael Haringer über das zweibändige Werk des Altkatholiken Heinrich Reusch ("Der Index der verbotenen Bücher", 1883-1885) zu fertigen hatte. Haringer kam zu dem Ergebnis, daß das Werk von Reusch wissenschaftlich korrekt, seine Kritik am Index berechtigt war. "Der Reusch" wurde nicht indiziert, statt dessen aber Anstoß und Grundlage einer umfangreichen Reform, mit der deutsche Gelehrte beauftragt wurden.
Rubrik: Neue Historische Literatur
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