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Inhaltsverzeichnis von Heft
281/3
Rubrik: Aufsätze
- Eva Schlotheuber
Die Autobiographie Karls IV. und die mittelalterlichen Vorstellungen
vom Menschen am Scheideweg
Aufbau und Darstellungsabsicht der außergewöhnlichen Autobiographie,
die Karl IV. um 1350 seinen Nachfolgern widmete, sind seit langem
umstritten. Doch deutete Karl IV. seinen Lebensweg sichtlich im Rahmen
der mittelalterlichen Wegelehre, der zufolge der Mensch prinzipiell
vor die Wahl gestellt war, den rechten Weg der Tugend oder den linken
des Lasters zu beschreiten. Die Vorstellung vom Menschen am Scheideweg
bildete sich in der Antike aus, wobei das Y-Signum als Sinnbild des
menschlichen Lebensweges angesehen wurde. Karl IV. entfaltet zunächst
theoretisch die mit der Wegelehre verbundenen Vorstellungen über die
richtige Lebensführung, denen dann die historischen Ereignisse als
erläuternde exempla zugeordnet werden. Dabei versteht er die Einsicht
in die göttliche Ordnung, die aus der richtigen Lebensführung entspringt,
als das "bessere Wissen", das eine kluge, politisch erfolgreiche Herrschaftsführung
erst ermöglicht. Indem sich der böhmische König auf diese Weise dezidiert
in ein christlich-moralisches Wertemuster ‚einschreibt?, distanziert
er sich gleichzeitig von der höfisch-ritterlichen Lebensform seines
Vaters, Johanns des Blinden. Doch diesen eigentlich konservativen,
religiös konnotierten Zugriff formuliert Karl IV. erstaunlich selbstbewußt.
Er gewinnt daraus für sein Amtsverständnis als oberster Richter neue
Souveränität, wenn er deutlich macht, die gottgewollte Ordnung im
Prinzip auch ohne Vermittlung einer geistlichen Autorität ausdeuten
zu können. Karl vermag deshalb dem Papsttum als machtpolitischem Faktor
und weniger als geistlicher Autorität zu begegnen. Seine Autobiographie
stellt somit eine bewußte Positionierung innerhalb der politischen
und geistigen Strömungen seiner Zeit dar, die sein Herrschaftsverständnis
klar hervortreten läßt.
- Christian Windler
Außenbeziehungen vor Ort. Zwischen "großer Strategie" und Privileg
In Abgrenzung zur älteren Staatengeschichte haben Helmut
G. Koenigsberger und John H. Elliott die "zusammengesetzten Monarchien"
als Normalfall des frühneuzeitlichen Europa beschrieben. Dynastische
Verbindungen mehrerer Länder vollzogen sich zunächst unter Wahrung
der bestehenden Institutionen und Freiheiten. Ob sich die Autonomie,
über die die einzelnen Länder im Innern verfügten, auch in den Außenbeziehungen
wieder fand, wurde bisher allerdings kaum untersucht. Am Beispiel
der Grafschaft Burgund wird deshalb im vorliegenden Aufsatz abgeklärt,
inwiefern die Zugehörigkeit zur spanischen Monarchie die Weiterführung
einer eigenen Diplomatie zuließ, die sich von derjenigen des Katholischen
Königs als Herrscher anderer Länder unterschied. Es wird gezeigt,
wie sich die Freiräume der Grafschaft innerhalb des spanischen Systems
im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelten und wie zentrale
und lokale Akteure im Hinblick auf die Außenbeziehungen miteinander
interagierten. Zuerst wird auf die außenpolitischen Handlungsspielräume
burgundischer Akteure im 16. und frühen 17. Jahrhundert eingegangen.
Anschließend wird untersucht, wie die seit 1508 ausgehandelte Neutralität
der beiden Burgund zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch ein
Schutz- und Tributverhältnis der Grafschaft gegenüber dem König von
Frankreich überlagert wurde, das die Eroberung und Annexion vorbereitete.
Zuletzt wird das Ende der burgundischen Neutralität im weiteren Kontext
der Absprachen betrachtet, welche bis in die Zeit um 1700 in den Grenzräumen
zwischen der französischen und der spanischen Monarchie Provinzen,
Talschaften und Kommunen über die entstehenden Staatsgrenzen hinweg
neutralisierten.
- Ralf Roth
Amerika - Deutschland. Folgen einer transatlantischen Migration
- Dirk Blasius
Carl Schmitt und der "Heereskonflikt" des Dritten Reiches 1934
Die Literatur zu Carl Schmitt ist geradezu unübersehbar. Dieser Aufsatz
arbeitet die Entstehungsgeschichte und den Aussagegehalt der Abhandlung
"Staatsgefüge und Zusammenbruch des zweiten Reiches" heraus, die Schmitt
im Mai 1934 veröffentlichte. Schmitts Deutung der Niederlage Deutschlands
im Ersten Weltkrieg hat in der Forschung kaum Beachtung gefunden. Dennoch
liegt hier ein Schlüsseltext für die Wirkung vor, die dieser bedeutende
und zugleich sehr umstrittene Staatsrechtslehrer in der Geschichte des
Dritten Reiches erzielen konnte. Ausgehend vom Erfahrungsgehalt des
Krieges, wie er sich in seinen kürzlich veröffentlichten Tagebüchern
der Jahre 1912 bis 1915 spiegelt, wird Schmitts Gegenüberstellung von
"bürgerlichem Verfassungsstaat" und "preußischem Soldatenstaat" auf
die Röhm-Krise des Sommers 1934 bezogen, als der Aufbruchsenthusiasmus
der frühen NS-Zeit durch die sich zuspitzende Auseinandersetzung zwischen
SA und Reichswehr gebremst wurde. In dieser Situation knüpfte Schmitt
an die Dolchstoßlegende an und formulierte sie zur Systemlegende über
das Kaiserreich um. Seine Botschaft lautete, aus dem Zusammenbruch des
Zweiten Reiches Folgerungen für den Zusammenhalt des Dritten Reiches
zu ziehen.
Rubrik: Neue historische Literatur
- Dietmar Hüser
Frankreich in den internationalen Beziehungen des kurzen 20. Jahrhunderts
Rubrik: Buchbesprechungen
Allgemeines
- Documents diplomatiques français, 1915. T. 3: (15 septembre - 31 décembre)
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1921. T. 1: (16 janvier - 30 juin)
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1940. T.: 1 (1er janvier - 10 juillet)
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1940. Les armistices de juin 1940
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1946. T. 2: (1er juillet - 31 décembre)
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1947. Annexes (10 mars - 15 décembre)
(D. Hüser)
- Documents diplomatiques français, 1965, T. 1: (1er janvier Ä 30 juin)
(D. Hüser)
- L. Herbst, Komplexität und Chaos. Grundzüge einer Theorie der
Geschichte (G. G. Iggers)
- C. Kretschmann/H. Pahl/P. Scholz (Hrsg.), Wissen in der Krise.
Institutionen des Wissens im gesellschaftlichen Wandel (A. Landwehr)
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der Historiographie zwischen Aufklärung und Historismus (U. Planert)
- A. Wallette, Sagans svenskar. Synen på vikingatiden och de
isländska sagorna under 300 år (K. von See)
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Unternehmer. Unt. Mitarb. v. K. Fuchs u. B. Jahn. 3 Bde. (M. Schimke)
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v. J. Ehmer, R.
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- H. Kulke, Indische Geschichte bis 1750 (D. Rothermund)
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vs. Numismatik. Theodor Mommsen und die antike Münze (H. Kloft)
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- U. Eigler/U. Gotter/N. Luraghi (Hrsg.), Formen römischer Geschichtsschreibung
von den Anfängen bis Livius. Gattungen - Autoren - Kontexte (T. Schmitt)
- K.-J. Hölkeskamp, Senatus Populusque Romanus. Die politische
Kultur der Republik - Dimensionen und Deutungen (R. Pfeilschifter)
- G. Seelentag, Taten und Tugenden Traians. Herrschaftsdarstellung
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Kaiserzeit (H. Schlange-Schöningen)
Mittelalter
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- P. Kochanek, Die Vorstellung vom Norden und der Eurozentrismus.
Eine Auswertung der patristischen und mittelalterlichen Literatur (D.
Fraesdorff)
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Konzeptionen, Erscheinungsformen, Deutungen (H. Lutterbach)
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Studien zur Abwehr; Selbstbehauptung und Widerstand der deutschen Juden
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Wahldaten und Wahlkarten (CD-ROM) (T. Kühne)
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Levensloop en brieven van de Nederlandse vakbondsman uit het nationaal-socialistische
gevangenschap/Gerrit Visser (1894-1942) - Von Hengelo nach Wewelsburg.
Lebensstationen und Briefe des niederländischen Gewerkschafters aus
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Erfahrungen und Transformationen im Exil. Unt. Mitw. v. M. Matthiesen
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- M. Parak, Hochschule und Wissenschaft in zwei deutschen Diktaturen.
Elitenaustausch an sächsischen Hochschulen 1933-1952 (N. Hammerstein)
- G. Höschle, Die deutsche Textilindustrie zwischen 1933 und
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- A. Bauerkämper, Die Sozialgeschichte der DDR (C. Kleßmann)
- K. F. Hünemörder, Die Frühgeschichte der globalen Umweltkrise
und die Formierung der deutschen Umweltpolitik (1950-1973) (F. Uekötter)
- A. Wilkens (Ed.), Le Plan Schuman dans l'histoire. Intérêts
nationaux et projet européen (U. Lappenküper)
- J. C. Granville, The First Domino. International Decision Making
during the Hungarian Crisis of 1956 (G. Alföldy)
- Der Auswärtige Ausschuß des Deutschen Bundestages. Sitzungsprotokolle
1961-1965. Halbbd. 1: Dezember 1961 bis Mai 1963. Halbbd. 2: Juni 1963
bis September 1965. Beilage: CD-ROM. Bearb. v. W. Hölscher (U.
Lappenküper)
- Nekrolog Jochen Bleicken (1926-2005)
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